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Alkalische Phosphatase (AP): Normalwerte und erhöhte Werte

Kurz gesagt

Die alkalische Phosphatase (AP) ist ein Enzym aus Gallenwegen, Leber und Knochen. Normal sind laut Deutscher Leberstiftung 35 bis 105 U/l bei Frauen und 40 bis 130 U/l bei Männern, bei Kindern deutlich mehr. Ist zugleich die Gamma-GT erhöht, kommt eine hohe AP meist aus Leber und Galle, sonst eher aus dem Knochen.

Was ist die alkalische Phosphatase?

Die alkalische Phosphatase, kurz AP oder ALP, ist ein Enzym. Im Blut stammt sie vor allem aus der Leber, genauer aus den Zellen der Gallenwege, und aus dem Knochen. Kleinere Mengen kommen aus Darm, Nieren und weißen Blutkörperchen.⁠[1] In der Schwangerschaft kommt die AP aus der Plazenta dazu.⁠[2]

Im Knochen gehört die AP zum Knochenaufbau. Labore nutzen sie deshalb auch, um den Knochenstoffwechsel zu beurteilen.⁠[3] Weil sie aus mehreren Organen kommt, muss die AP immer zusammen mit anderen Laborwerten beurteilt werden.⁠[2] Alle Werte im Überblick zeigt die Leberwerte-Tabelle.

AP-⁠Normalwerte für Frauen, Männer und Kinder

Bei Erwachsenen liegt die AP normal bei 35 bis 105 U/l für Frauen und 40 bis 130 U/l für Männer.⁠[2] Kinder und Jugendliche haben deutlich höhere Werte, weil ihre Knochen wachsen.⁠[1]⁠[5]

QuelleFrauenMänner
Deutsche Leberstiftung⁠[2]35 bis 105 U/l40 bis 130 U/l
Deutsche Leberhilfe⁠[4]35 bis 105 U/l40 bis 129 U/l
Labor Berlin (Charité, Vivantes)⁠[3]35 bis 105 U/l40 bis 130 U/l
Zentrallabor MHH Hannover⁠[5]35 bis 104 U/l40 bis 129 U/l
Erwachsene. Manche Labore geben µkat/l an: U/l mal 0,0167 ergibt µkat/l.

AP-⁠Normalwerte bei Kindern und Jugendlichen

Am höchsten ist die AP im ersten Lebensjahr und bei Jungen bis 17 Jahre: bis 390 U/l, das Dreifache der Grenze für Männer.⁠[3]

AlterObergrenze
1. Lebenstag250 U/l
bis 5 Tage231 U/l
bis 6 Monate449 U/l
bis 12 Monate462 U/l
bis 3 Jahre281 U/l
bis 6 Jahre269 U/l
bis 12 Jahre300 U/l
bis 17 Jahre, Mädchen187 U/l
bis 17 Jahre, Jungen390 U/l
Referenzbereiche von Labor Berlin (Charité, Vivantes). Andere Labore weichen ab.

Bei Kleinkindern kann die AP vorübergehend sogar über 1.000 U/l steigen, ohne dass eine Krankheit dahintersteckt. In einer Studie mit 316 gesunden Kindern von 8 bis 24 Monaten traf das auf 2,8 % zu, im Mittel lag der Wert bei 2.165 U/l. Diese vorübergehende Erhöhung gilt als gutartig.⁠[6]

Was den Messwert beeinflusst

Nach einer fettreichen Mahlzeit steigt die AP aus dem Darm, vor allem bei Blutgruppe 0 und B. In einer Studie mit 40 Gesunden war sie bei diesen Blutgruppen nach dem Essen 4,7-⁠mal so hoch wie bei A und AB.⁠[8] Manche Medikamente wie Allopurinol oder Carbamazepin erhöhen den Messwert, die Pille senkt ihn.⁠[3]

Alkalische Phosphatase erhöht: Leber oder Knochen?

Das zeigt am einfachsten die Gamma-GT. Sie kommt in der Leber vor, aber nicht im Knochen. Ist sie zusammen mit der AP erhöht, stammt die AP aus Leber und Gallenwegen. Ist die Gamma-GT normal, kommt die AP eher aus dem Knochen.⁠[1] Bei Kindern hilft sie besonders, weil die AP dort schon durch das Wachstum hoch ist.⁠[1] Mehr im Ratgeber Gamma-GT.

Bleibt es unklar, kann das Labor die AP in ihre Formen aus Leber, Knochen und Darm aufteilen.⁠[1] Für die Knochen-AP nennt Labor Berlin bei Erwachsenen eine Obergrenze von 77 U/l für Frauen und 96 U/l für Männer.⁠[9]

BefundSpricht für
AP und Gamma-GT erhöhtLeber und Gallenwege, etwa einen Gallenstau⁠[1]
AP erhöht, Gamma-GT normalKnochen, zum Beispiel Vitamin-D-Mangel oder Wachstum bei Kindern⁠[1]
AP, Gamma-GT und Bilirubin erhöhtgestörter Gallefluss, zum Beispiel durch Gallensteine⁠[4]⁠[1]
AP über dem 3-⁠Fachen der Obergrenze, GPT und GOT nur mäßig erhöhteher Gallenstau als Leberzellschaden⁠[10]
GPT und GOT stark erhöht, AP unter dem 3-⁠Facheneher Leberzellschaden⁠[10]

Kommt die AP aus der Leber, gehört auch das Bilirubin zur Abklärung, und es wird nach Gallenwegserkrankungen wie PBC und PSC gesucht.⁠[4]

Ursachen einer erhöhten AP

Ohne Beschwerden ist eine allein erhöhte AP laut britischer Leitlinie wohl am häufigsten ein Vitamin-D-Mangel, bei Kindern das normale Wachstum.⁠[1]

UrsacheHerkunftEinordnung
Gallenstau, etwa durch GallensteineGalleOft sind Gamma-GT und Bilirubin mit erhöht.⁠[4]⁠[1]
Gallenwegserkrankungen PBC und PSCGalleSeltene Erkrankungen, die Fachärzte abklären.⁠[4]
Hepatitis, Zirrhose, FettleberLeberAP meist nur mäßig erhöht.⁠[3]⁠[4]⁠[10]
MedikamenteLeberEtwa Mittel gegen Epilepsie, Thiamazol, Chlorpromazin, Östrogene, Gestagene.⁠[4]
RechtsherzschwächeLeberBlut staut sich in der Leber zurück.⁠[1]
Wachstum bei KindernKnochenNormal.⁠[1]
Vitamin-D-MangelKnochenWohl die häufigste Ursache einer allein erhöhten AP.⁠[1]⁠[3]
KnochenbrücheKnochenKönnen die AP erhöhen.⁠[4]
NierenerkrankungenNiereKönnen die AP erhöhen.⁠[4]
Morbus PagetKnochenDie AP ist hier der erste Suchtest.⁠[11]
Schilddrüsenüberfunktion, KnochenmetastasenKnochenVon Laboren als Ursache genannt.⁠[3]
SchwangerschaftPlazentaVor allem im letzten Drittel, meist normal.⁠[7]⁠[1]
Fettreiche Mahlzeit bei Blutgruppe 0 oder BDarmHarmlos, nüchtern kontrollieren.⁠[8]

Ab welchem AP-⁠Wert wird es gefährlich?

Einen festen Wert gibt es nicht. Entscheidend ist, woher die AP kommt und welche Werte mit erhöht sind. Steigt die AP auf mehr als das 3-⁠Fache der Obergrenze, während GPT und GOT nur mäßig erhöht sind, spricht das für einen Gallenstau. Dann folgt in der Regel eine Bilduntersuchung, etwa ein Ultraschall.⁠[10]

Höhe der APFrauenMännerEinordnung
bis zur Obergrenzebis 105 U/lbis 130 U/lnormal⁠[2]
bis zum 3-⁠Fachen106 bis 315 U/l131 bis 390 U/lKnochen, Schwangerschaft oder Leberzellschaden möglich. Die Gamma-GT zeigt die Herkunft.⁠[1]⁠[10]
über dem 3-⁠Fachenüber 315 U/lüber 390 U/ltypisch für einen Gallenstau, Bilduntersuchung nötig⁠[10]
sehr hochüber 1.000 U/lselten. Bei Klinikpatienten vor allem Blutvergiftung, Tumoren, AIDS oder Morbus Paget.⁠[12] Bei Kleinkindern oft harmlos.⁠[6]
Obergrenzen für Erwachsene laut Deutscher Leberstiftung. Für Kinder gelten höhere Grenzen.

Werte über 1.000 U/l fanden sich in einem US-⁠Krankenhaus in 18 Monaten bei 37 Patienten, die häufigste Einzelursache war eine Blutvergiftung.⁠[12] Ihre eigene AP ordnet der Leberwerte-Rechner ein.

Alkalische Phosphatase zu niedrig: Was bedeutet das?

Anders als GPT, GOT und Gamma-GT kann die AP auch zu niedrig sein.⁠[4] Selten steckt eine angeborene Störung dahinter.

Mögliche UrsacheHinweis
SchilddrüsenunterfunktionIn einer deutschen Studie mit 849 Erwachsenen mit niedriger AP hatten 26,6 % der Menschen ohne Hypophosphatasie eine Schilddrüsenunterfunktion.⁠[16]
Zink- oder Magnesiummangel, schwerer Vitamin-C-MangelKönnen die AP senken.⁠[4]⁠[3]
Schwere BlutarmutKann die AP senken.⁠[4]⁠[3]
Pille, Bypass-OperationNiedrigere Werte sind möglich.⁠[4]
Morbus WilsonSeltene Kupferspeicherkrankheit.⁠[4]
HypophosphatasieSeltene, angeborene Störung des Knochenstoffwechsels.⁠[14]

Was ist Hypophosphatasie?

Bei der Hypophosphatasie ist das Gen ALPL verändert, das die AP für Knochen und Zähne bildet. Beide werden dann schlechter mineralisiert.⁠[13] Bei Kindern kann das zu frühem Verlust der Milchzähne und zu Knochenveränderungen wie bei Rachitis führen. Bei Erwachsenen sind feine, unvollständige Brüche (Pseudofrakturen) typisch, oft mit Muskel- und Knochenschmerzen, Schwäche und Müdigkeit.⁠[14]

Schwere Formen sind sehr selten, etwa 1 von 100.000 Menschen, mildere wohl deutlich häufiger, Schätzungen nennen 1 von 508.⁠[13] Dauerhaft bei höchstens 30 U/l lag die AP in einer US-⁠Studie bei 1 von 1.544 erwachsenen Patienten.⁠[15] Festgestellt wird sie über weitere Blutwerte, etwa eine Form von Vitamin B6, und einen Gentest.⁠[14] Wer dauerhaft eine niedrige AP hat und ein starkes Osteoporose-Mittel bekommen soll, sollte das vorher ansprechen.⁠[15]

Kann man die AP senken?

Die AP selbst ist nicht das Ziel, sie zeigt eine Ursache an. Selbst beim Morbus Paget rät die Leitlinie, Beschwerden zu behandeln, statt die AP in den Normbereich zu drücken.⁠[11]

Für Leberkuren oder Pflanzenextrakte ist nicht belegt, dass sie eine erhöhte AP senken. Sie ersetzen keine Abklärung.

Wann sollte ich zum Arzt?

Lassen Sie eine erhöhte AP abklären, wenn sie wiederholt erhöht ist oder zusammen mit Gamma-GT oder Bilirubin steigt. Auch als einziger erhöhter Wert gehört sie fachärztlich eingeordnet.⁠[4] Zeitnah in die Praxis sollten Sie bei:

Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei Gelbsucht mit Fieber und starken, anhaltenden Schmerzen im rechten Oberbauch.⁠[10]

Häufige Fragen zur alkalischen Phosphatase

Was ist ein normaler AP-⁠Wert?

Bei Erwachsenen gelten laut Deutscher Leberstiftung 35 bis 105 U/l bei Frauen und 40 bis 130 U/l bei Männern als normal. Kinder und Jugendliche haben wegen des Knochenwachstums deutlich höhere Werte, bei Jungen bis 17 Jahre bis 390 U/l. Maßgeblich ist der Referenzbereich auf Ihrem Befund.

Was bedeutet eine leicht erhöhte alkalische Phosphatase?

Meist steckt eine gut erklärbare Ursache dahinter. Häufige Gründe sind ein Vitamin-D-Mangel, das Wachstum bei Kindern, eine Schwangerschaft oder Medikamente. Ob die AP aus Leber oder Knochen kommt, zeigt die Gamma-GT. Bleibt der Wert erhöht, sollte die Ursache abgeklärt werden.

AP erhöht, Gamma-GT normal: Was heißt das?

Dann kommt die AP wahrscheinlich aus dem Knochen, denn dort gibt es keine Gamma-GT. Laut britischer Leitlinie ist die häufigste Ursache wohl ein Vitamin-D-Mangel, bei Kindern das normale Wachstum.

Was bedeutet eine zu niedrige alkalische Phosphatase?

Ein einzelner niedriger Wert sollte zunächst kontrolliert werden. Dauerhaft niedrige Werte kommen zum Beispiel bei einer Schilddrüsenunterfunktion, bei Zink- oder Magnesiummangel, bei schwerer Blutarmut und unter der Pille vor. Selten steckt die angeborene Hypophosphatasie dahinter, die Knochen und Zähne betrifft.

Kann eine erhöhte AP ein Zeichen für Krebs sein?

Das ist möglich, etwa bei Metastasen in Leber oder Knochen, aber deutlich seltener als Ursachen wie Vitamin-D-Mangel oder Wachstum. Selbst bei Werten über 1.000 U/l war in einer Klinikstudie eine Blutvergiftung die häufigste Einzelursache.

Quellen

  1. Newsome PN et al. Guidelines on the management of abnormal liver blood tests (British Society of Gastroenterology). Gut. 2018;67(1):6-⁠19. Quelle öffnen
  2. Deutsche Leberstiftung: Leber und Leberwerte. Informationen für Betroffene und Angehörige (Broschüre, Tabelle der wichtigsten Leberwerte). Stand Mai 2025. Quelle öffnen
  3. Labor Berlin (Charité und Vivantes): Leistungsverzeichnis, Alkalische Phosphatase, mit altersabhängigen Referenzbereichen nach Fischbach 1992 und Thomas 2005. Quelle öffnen
  4. Deutsche Leberhilfe e. V.: Leberwerte und ihre Bedeutung (Broschüre, fachliche Beratung Dr. med. Christoph Niederau), Abschnitt alkalische Phosphatase. Stand Dezember 2022. Quelle öffnen
  5. Medizinische Hochschule Hannover, Zentrallabor: Leistungsverzeichnis Referenzbereiche, Version 7.0 (2025). Quelle öffnen
  6. Huh SY et al. Prevalence of transient hyperphosphatasemia among healthy infants and toddlers. Pediatrics. 2009;124:703-⁠709. Quelle öffnen
  7. Bacq Y et al. Liver function tests in normal pregnancy: a prospective study of 103 pregnant women and 103 matched controls. Hepatology. 1996;23(5):1030-⁠1034. Quelle öffnen
  8. Nakano T et al. Involvement of intestinal alkaline phosphatase in serum apolipoprotein B-⁠48 level and its association with ABO and secretor blood group types. Biochem Biophys Res Commun. 2006;341(1):33-⁠38. Quelle öffnen
  9. Labor Berlin (Charité und Vivantes): Leistungsverzeichnis, AP-⁠Knochenisoenzym. Quelle öffnen
  10. MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise: Gelbsucht. Vollständige Überprüfung August 2025. Quelle öffnen
  11. Ralston SH et al. Diagnosis and Management of Paget’s Disease of Bone in Adults: A Clinical Guideline. J Bone Miner Res. 2019;34(4):579-⁠604. Quelle öffnen
  12. Maldonado O et al. Extremely high levels of alkaline phosphatase in hospitalized patients. J Clin Gastroenterol. 1998;27(4):342-⁠345. Quelle öffnen
  13. Schmidt T et al. Prevalence of low alkaline phosphatase activity in laboratory assessment: Is hypophosphatasia an underdiagnosed disease? Orphanet J Rare Dis. 2021;16(1):452. Quelle öffnen
  14. Seefried L et al. Diagnosis and Treatment of Hypophosphatasia. Calcif Tissue Int. 2025;116(1):46. Quelle öffnen
  15. McKiernan FE, Berg RL, Fuehrer J. Clinical and radiographic findings in adults with persistent hypophosphatasemia. J Bone Miner Res. 2014;29(7):1651-⁠1660. Quelle öffnen
  16. Hoff P et al. Clinical presentation of adults with persistently low alkaline phosphatase activity: a retrospective multicentre, cross-sectional study in Germany. BMJ Open. 2025;15(7):e097235. Quelle öffnen
  17. MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Cholestase. Vollständige Überprüfung August 2025. Quelle öffnen

Stand: 20. Oktober 2026. Wir prüfen die Angaben vierteljährlich.