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Leberwerte

Cholinesterase (CHE): Normalwerte, zu hoch und zu niedrig

Kurz gesagt

Die Cholinesterase (CHE) ist ein Enzym, das die Leber bildet. Der Wert zeigt deshalb, wie viel die Leber herstellen kann. Normal sind laut Deutscher Leberstiftung 4.300 bis 11.500 U/l bei Frauen und 4.600 bis 12.900 U/l bei Männern. Zu niedrige Werte können auf eine geschwächte Leberleistung hinweisen, erhöhte Werte hängen oft mit einer Fettleber zusammen.

Was ist die Cholinesterase?

Die Cholinesterase, kurz CHE, ist ein Enzym, das direkt in der Leber gebildet wird. Weil die Leber es laufend neu herstellt, gibt der CHE-⁠Wert im Blut einen Hinweis auf ihre Leistung.⁠[1]

Fachleute nennen das Enzym auch Pseudocholinesterase oder Butyrylcholinesterase. Es spaltet sogenannte Cholin-Ester in unwirksame Bruchstücke, zum Beispiel die Muskelentspanner Succinylcholin und Mivacurium.⁠[2] Davon zu unterscheiden ist die Acetylcholinesterase, die an Nerven und Muskeln den Botenstoff Acetylcholin abbaut. Im Blutplasma kommt auf etwa 1.000 Teile CHE nur ein Teil Acetylcholinesterase.⁠[2]

Bestimmt wird die CHE, um die Leistung der Leber einzuschätzen, außerdem vor bestimmten Narkosen und bei Verdacht auf eine Vergiftung mit Pflanzenschutzmitteln.⁠[1]⁠[3]⁠[4] Einen Überblick über alle Werte gibt die Leberwerte-Tabelle.

CHE-⁠Normalwerte für Frauen und Männer

Laut Deutscher Leberstiftung liegt die CHE bei Frauen zwischen 4.300 und 11.500 U/l, in der Schwangerschaft zwischen 3.700 und 9.100 U/l und bei Männern zwischen 4.600 und 12.900 U/l.⁠[1] Die Labore unterscheiden sich hier stark, weil sie verschiedene Testverfahren nutzen.⁠[5]

QuelleFrauenMänner
Deutsche Leberstiftung⁠[1]4.300 bis 11.500 U/lschwanger: 3.700 bis 9.100 U/l4.600 bis 12.900 U/l
Universitätsklinikum Essen, Test seit 2024⁠[5]7,0 bis 19,0 kU/lErwachsene, entspricht 7.000 bis 19.000 U/l
Studie 1983, 1.888 Menschen, gemessen bei 25 °C⁠[6]16 bis 39 Jahre: 2,8 bis 7,4 kU/lmit Pille oder schwanger: 2,4 bis 6,0 kU/l, ab 40 Jahren: 3,5 bis 8,5 kU/l3,5 bis 8,5 kU/l
Werte für Erwachsene. Die Bereiche hängen vom Testverfahren ab und lassen sich zwischen Laboren nicht vergleichen. Maßgeblich ist Ihr Befund.

In Essen etwa liegen die Werte mit dem neuen Test seit Januar 2024 rund 20 % höher als mit dem alten.⁠[5] Vergleichen Sie Ihren Wert deshalb nur mit dem Bereich auf Ihrem Befund und mit früheren Werten aus demselben Labor. Ein Wert knapp außerhalb ist kein Alarmzeichen: Referenzbereiche umfassen meist die mittleren 95 % der Gesunden, jeder Zwanzigste liegt also knapp darüber oder darunter.⁠[7]

CHE-⁠Wert in der Schwangerschaft und mit der Pille

In einer deutschen Studie mit 861 Frauen hatten Frauen von 16 bis 39 Jahren niedrigere Werte als Frauen ab 40, Schwangere und Frauen, die hormonell verhüten, noch einmal niedrigere. Ab 40 unterschieden sich Frauen nicht mehr von Männern.⁠[6] Die Zahlen von damals gelten nicht für heutige Tests, der Unterschied zwischen den Gruppen aber schon.

Einheiten: U/l, kU/l und U/ml

VonNachRechnungBeispiel
U/lkU/lgeteilt durch 1.0005.320 U/l sind 5,32 kU/l
kU/lU/lmal 1.0004,3 kU/l sind 4.300 U/l
kU/lU/mlgleich7,0 kU/l sind 7,0 U/ml
„k“ steht für tausend: 1 kU/l sind 1.000 U/l und damit 1 U pro Milliliter.

Cholinesterase zu niedrig: die Ursachen

Eine niedrige CHE kann bedeuten, dass die Leber weniger davon herstellt, etwa bei einer fortgeschrittenen Lebererkrankung. Aber auch Mangelernährung, Entzündungen, die Schwangerschaft, Medikamente, Vergiftungen und angeborene Varianten senken den Wert.⁠[1]⁠[8]

UrsacheWas dahintersteckt
Geschwächte LeberleistungBei Leberschäden bildet die Leber weniger CHE, der Wert ist dann meist erniedrigt.⁠[1]
Mangelernährung, EntzündungenDie Leberstiftung nennt beide als Faktoren, die den CHE-⁠Wert beeinflussen.⁠[1]
Schwangerschaft und PilleNiedrigere Werte, deshalb eigene Normbereiche.⁠[1]⁠[6]
MedikamenteManche Wirkstoffe hemmen das Enzym. Das Asthmamittel Bambuterol senkte die CHE-⁠Aktivität in einer Studie mit 28 Patienten nach einmal 20 mg um 90 % (Median).⁠[9]
Organophosphat-VergiftungDiese Stoffe stecken in manchen Pflanzenschutzmitteln und Nervenkampfstoffen. Die CHE-⁠Messung im Blut gilt als schneller erster Suchtest.⁠[4]
Angeborene VarianteSelten arbeitet die CHE von Geburt an zu langsam oder gar nicht. Wichtig wird das bei einer Narkose.⁠[10]

Was ein niedriger Wert bedeutet, hängt von den anderen Werten ab. Ihr Arzt sieht sich dazu vor allem GPT, GOT, Gamma-GT, Bilirubin und den Quick-Wert an.⁠[1] Ist die CHE ohne erkennbaren Grund sehr niedrig, kann ein Zusatztest eine angeborene Variante aufdecken, die Dibucainzahl.⁠[3]

Cholinesterase erhöht: die Ursachen

Was eine erhöhte CHE bedeutet, ist weniger klar als bei niedrigen Werten. Studien finden sie vor allem bei Fettleber, viel Bauchfett und gestörtem Zuckerstoffwechsel, seltener bei einer Nierenerkrankung mit hohem Eiweißverlust.⁠[12]⁠[13]

UrsacheWas Studien zeigen
FettleberBei 844 Erwachsenen aus Tübingen war die CHE umso höher, je mehr Fett die Magnetresonanz in der Leber maß, unabhängig von Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index.⁠[12] Bei 64 Menschen mit Fettleber lag sie im Mittel bei 4.711 U/l, bei Gesunden bei 4.028 U/l.⁠[14]
Metabolisches SyndromHöhere CHE ging mit höherem Blutzucker und schlechterer Insulinwirkung einher, beim metabolischen Syndrom war sie höher.⁠[12]
Nephrotisches SyndromDie Niere verliert viel Eiweiß, die Leber bildet zum Ausgleich mehr. Bei 184 Patienten ging eine hohe CHE mit stärkerem Eiweißverlust einher.⁠[13]

In der Studie mit 64 Patienten war die CHE bei einfacher Fettleber erhöht, bei Hinweisen auf eine Vernarbung der Leber dagegen mit 3.111 U/l niedriger als bei Gesunden.⁠[14] Ein normaler CHE-⁠Wert schließt eine Fettleber also nicht aus.

Cholinesterase erhöht: Was tun?

Lassen Sie mit Leberwerten, Ultraschall, Blutzucker und Blutfetten klären, ob eine Fettleber dahintersteckt. Einen ersten Anhaltspunkt gibt der Fettleber-Rechner. Ist es eine Fettleber, ist Abnehmen der größte Hebel: Die europäische Leitlinie nennt mindestens 5 % weniger Gewicht gegen das Leberfett.⁠[15] In zwei Tübinger Lebensstil-Programmen mit 215 und 116 Teilnehmern sank die CHE zusammen mit dem Leberfett, unabhängig vom Gewichtsverlust.⁠[12] Mehr dazu im Ratgeber Fettleber.

Was sagt die CHE über die Leber aus?

Die CHE zeigt, wie viel die Leber noch herstellen kann. Zusammen mit Albumin und dem Quick-Wert (INR) beschreibt sie die Syntheseleistung, also die Arbeit der Leber als Eiweißfabrik.⁠[1]⁠[7] Die Enzyme GPT und GOT zeigen dagegen, ob gerade Leberzellen zugrunde gehen.⁠[1]

WertWas er zeigtWas ihn außerdem verändert
CHEWie viel Enzym die Leber bildet⁠[1]Fettleber, Entzündung, Mangelernährung, Schwangerschaft⁠[1]⁠[12]
AlbuminEiweiß, das die Leber bildet⁠[7]Ernährung, Entzündung, Eiweißverlust über Niere oder Darm⁠[7]
Quick-Wert und INRGerinnungnormal Quick 70 bis 120 %Gerinnungsfaktoren aus der Leber⁠[1]Vitamin-K-Mangel, Blutverdünner⁠[7]
GPT, GOTzum VergleichAktuellen Schaden an Leberzellen⁠[1]GOT auch Muskel und Herz⁠[1], siehe GPT-⁠Wert

Normale Leberwerte schließen eine Lebererkrankung nicht aus: Eine Fettleber und sogar eine Vernarbung können auch bei normaler GPT und GOT bestehen.⁠[7] Mit dem Leberwerte-Rechner ordnen Sie Ihre Werte im Verhältnis zur Obergrenze ein. Der CHE-⁠Wert ändert sich langsam: Nach einer starken Belastung mit dem Insektizid Dichlorvos holte er bei 8 Arbeitern die Hälfte des Rückstands in etwa 12 Tagen auf, ganz normal war er nach rund 50 Tagen.⁠[11]

Cholinesterase und Narkose

Die CHE baut zwei Muskelentspanner ab, die bei Narkosen eingesetzt werden: Succinylcholin und Mivacurium. Arbeitet sie zu wenig, hält die Lähmung nach einer üblichen Dosis deutlich länger an.⁠[10] Das betrifft auch die Atemmuskeln, es droht ein verlängerter Atemstillstand.⁠[16] Ob jemand eine angeborene Variante hat, zeigt die Dibucainzahl. Ein Krankenhaus in Schweinfurt hat sie bei 24.830 Patienten bestimmt:⁠[3]

BefundHäufigkeitBedeutung
Dibucainzahl unter 300,07 %etwa 1 von 1.400Atypische CHE, Risiko einer langen Lähmung⁠[3]
Dibucainzahl 30 bis 701,23 %Zwischenbereich⁠[3]

Auch erworbene Gründe verlängern die Wirkung: höheres Alter, Schwangerschaft, schwere Lebererkrankungen, Verbrennungen und Wechselwirkungen mit Medikamenten.⁠[8]

Was Sie vor einer Narkose tun sollten

Hat die Cholinesterase etwas mit Cholin zu tun?

Nur über den Namen. Die Cholinesterase spaltet Cholin-Ester wie Succinylcholin.⁠[2] Der CHE-⁠Wert misst, wie aktiv dieses Enzym ist, nicht wie viel Cholin in Ihrem Blut oder Ihrem Essen steckt. Ein niedriger CHE-⁠Wert ist deshalb kein Beleg für einen Cholinmangel.

Cholin selbst ist ein Nährstoff. Cholin trägt zur Erhaltung einer normalen Leberfunktion bei.⁠[17] Wie viel Sie davon brauchen und wo es drinsteckt, lesen Sie im Ratgeber Cholin und Leber.

Wann sollte ich zum Arzt?

Lassen Sie einen CHE-⁠Wert außerhalb des Referenzbereichs beim Hausarzt einordnen, vor allem wenn weitere Leberwerte auffällig sind.⁠[1] Bei niedriger CHE geht es um die Leberleistung, vor einer Narkose auch um die Dibucainzahl.⁠[3] Bei erhöhter CHE um Ultraschall, Blutzucker und Blutfette.⁠[12]

Sofort ärztliche Hilfe, im Notfall über die 112, brauchen Sie:

Häufige Fragen zur Cholinesterase

Was ist ein normaler CHE-⁠Wert?

Laut Deutscher Leberstiftung gelten bei Frauen 4.300 bis 11.500 U/l als normal, in der Schwangerschaft 3.700 bis 9.100 U/l und bei Männern 4.600 bis 12.900 U/l. Manche Labore messen mit anderen Tests und nennen ganz andere Zahlen. Es gilt der Referenzbereich auf Ihrem Befund.

Was bedeutet ein niedriger CHE-⁠Wert?

Er kann bedeuten, dass die Leber weniger von dem Enzym bildet, etwa bei einer fortgeschrittenen Lebererkrankung. Auch Mangelernährung, Entzündungen, Schwangerschaft, die Pille, manche Medikamente und angeborene Varianten senken den Wert. Was er bedeutet, zeigen erst die übrigen Leberwerte.

Ist eine erhöhte Cholinesterase gefährlich?

Eine erhöhte CHE ist vor allem ein Hinweis. Studien finden sie oft bei Fettleber, viel Bauchfett, hohen Blutfetten oder gestörtem Zuckerstoffwechsel. Lassen Sie deshalb Leber, Blutzucker und Blutfette ansehen.

Was ist ein Pseudocholinesterase-Mangel?

Eine meist angeborene, seltene Variante, bei der die CHE zu wenig oder gar nicht arbeitet. Meist fällt sie erst bei einer Narkose auf: Nach Succinylcholin oder Mivacurium bleiben die Muskeln deutlich länger gelähmt. Deshalb muss das Narkoseteam davon wissen.

Was bedeuten U/l und kU/l beim CHE-⁠Wert?

Beides beschreibt die Aktivität des Enzyms. 1 kU/l sind 1.000 U/l, ein Wert von 5,32 kU/l entspricht also 5.320 U/l. Manche Labore schreiben U/ml, das ist dasselbe wie kU/l.

Quellen

  1. Deutsche Leberstiftung: Leber und Leberwerte. Informationen für Betroffene und Angehörige (Broschüre mit Tabelle der Leberwerte). Stand Mai 2025. Quelle öffnen
  2. Benner A et al. Biochemistry, Pseudocholinesterase. StatPearls; 2026. Quelle öffnen
  3. Pestel G et al. Häufigkeitsverteilung der Dibucainzahlen bei 24.830 Patienten. Anaesthesist. 2003;52(6):495-⁠499. Quelle öffnen
  4. Worek F et al. Diagnostic aspects of organophosphate poisoning. Toxicology. 2005;214(3):182-⁠189. Quelle öffnen
  5. Universitätsklinikum Essen, Zentrallabor: Umstellung des Cholinesterase (CHE) Assay ab dem 24.01.2024. Informationsschreiben vom 22.01.2024. Quelle öffnen
  6. den Blaauwen DH et al. Cholinesterase mit Butyrylthiocholiniodid als Substrat: Referenzwerte nach Alter und Geschlecht. J Clin Chem Clin Biochem. 1983;21(6):381-⁠386. Quelle öffnen
  7. Jogu P et al. Liver Function Tests. StatPearls; 2026. Quelle öffnen
  8. Andersson ML et al. Butyrylcholinesterase deficiency and its clinical importance in anaesthesia: a systematic review. Anaesthesia. 2019;74(4):518-⁠528. Quelle öffnen
  9. Østergaard D et al. The influence of drug-induced low plasma cholinesterase activity on mivacurium. Anesthesiology. 2000;92(6):1581-⁠1587. Quelle öffnen
  10. Trujillo R, West WP. Pseudocholinesterase Deficiency. StatPearls; 2023. Quelle öffnen
  11. Mason HJ. The recovery of plasma cholinesterase activity in workers after over-exposure to dichlorvos. Occup Med (Lond). 2000;50(5):343-⁠347. Quelle öffnen
  12. Heni M et al. Elevated Cholinesterase Activity and the Metabolic Syndrome. Liver Int. 2025;45(5):e70046. Quelle öffnen
  13. Goto K et al. Clinical value of serum cholinesterase levels in Nephrotic syndrome. BMC Nephrol. 2022;23(1):128. Quelle öffnen
  14. Turecky L et al. Serum butyrylcholinesterase activities in patients with non-alcoholic fatty liver disease. Bratisl Lek Listy. 2021;122(10):689-⁠694. Quelle öffnen
  15. EASL, EASD, EASO: Clinical Practice Guidelines on the management of MASLD, Executive Summary. Diabetologia. 2024;67(11):2375-⁠2392. Quelle öffnen
  16. Lajtman Z et al. „Warning card“ as a prevention of prolonged apnea in children. Coll Antropol. 2002;26 Suppl:129-⁠137. Quelle öffnen
  17. Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel (Cholin, Vitamin B6, B12, Folat). Quelle öffnen
  18. Robb EL et al. Organophosphate Toxicity. StatPearls; 2023. Quelle öffnen

Stand: 20. Oktober 2026. Wir prüfen die Angaben vierteljährlich.