Leberwerte
Bilirubin:
Normalwerte und was ein erhöhter Wert bedeutet
Kurz gesagt
Bilirubin ist der gelbe Abbaustoff des roten Blutfarbstoffs. Normal ist bei Erwachsenen ein Gesamtbilirubin bis 1,1 mg/dl (19 µmol/l), je nach Labor bis 1,2 mg/dl. Ab etwa 2 bis 3 mg/dl werden Augen und Haut gelb. Ist nur das Bilirubin leicht erhöht, steckt meist der harmlose Morbus Meulengracht dahinter.
Was ist Bilirubin?
Bilirubin ist der gelb-bräunliche Gallenfarbstoff. Er entsteht, wenn der Körper alte rote Blutkörperchen abbaut.[1] Zu 80 bis 85 % stammt er aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin.[2]
Frisch gebildetes Bilirubin ist kaum wasserlöslich. Es wird deshalb an das Bluteiweiß Albumin gebunden und so zur Leber gebracht. Die Leber koppelt es an Glucuronsäure und macht es damit wasserlöslich.[3] Über die Galle gelangt es in den Darm. Ausgeschieden wird es zum größten Teil mit dem Stuhl, zu einem kleinen Teil über den Urin.[1]
Zusammen mit Albumin und Gerinnung zeigt Bilirubin, wie gut die Leber arbeitet.[4] Einen Überblick über alle Werte gibt die Leberwerte-Tabelle.
Bilirubin-Normalwerte: gesamt, direkt und indirekt
Bei Erwachsenen gilt ein Gesamtbilirubin bis 1,1 mg/dl als normal, das sind 19 µmol/l.[5] Das direkte Bilirubin liegt normal unter 0,3 mg/dl, das indirekte unter 1,0 mg/dl.[2] Weil jedes Labor seine Grenzen selbst festlegt, gilt immer der Bereich auf Ihrem Befund.
| Quelle | Gesamt | Direkt | Indirekt |
|---|---|---|---|
| Leberstiftung[5] | bis 1,1 mg/dl19 µmol/l | keine Angabe | keine Angabe |
| Leberhilfe[1] | Männer bis 1,4, Frauen bis 0,9 mg/dl24 und 15 µmol/l | keine Angabe | keine Angabe |
| Labor Berlin[2] | bis 1,2 mg/dl21 µmol/l | unter 0,3 mg/dl5 µmol/l | unter 1,0 mg/dl17 µmol/l |
| MHH Hannover[6] | 2 bis 21 µmol/l0,1 bis 1,2 mg/dl | bis 2 µmol/l0,1 mg/dl | bis 19 µmol/l1,1 mg/dl |
| Uniklinik Ulm[3] | 2 bis 21 µmol/l0,1 bis 1,2 mg/dl | keine Angabe | keine Angabe |
Von diesen Quellen unterscheidet nur die Leberhilfe nach Geschlecht.[1] Zum Umrechnen gilt: mg/dl mal 17,1 ergibt µmol/l, µmol/l mal 0,0585 ergibt mg/dl.[3] Ältere Ratgeber nennen hier manchmal falsche Faktoren. Die übrigen Einheiten stehen im Ratgeber Leberwerte.
Bilirubin bei Neugeborenen
In den ersten Lebenstagen kann das indirekte Bilirubin ganz natürlich stark ansteigen.[4] Labor Berlin nennt diese Obergrenzen:[2]
| Alter | Gesamtbilirubin |
|---|---|
| jünger als 24 Stunden | bis 8,0 mg/dl |
| 24 bis 48 Stunden | bis 13,0 mg/dl |
| 48 bis 84 Stunden | bis 17,0 mg/dl |
| bis 1 Jahr | bis 1,0 mg/dl |
| älter als 1 Jahr | bis 1,2 mg/dl |
Ist bei einem Säugling dagegen das direkte Bilirubin erhöht, über 25 µmol/l (1,5 mg/dl), muss das Kind dringend kinderärztlich untersucht werden.[4]
Was den Bilirubinwert beeinflusst
| Einfluss | Wirkung auf den Messwert |
|---|---|
| Fasten | Steigt. Nach 24 Stunden mit 400 kcal bei Gesunden im Mittel um 4 bis 8 µmol/l, mit der Genvariante für Meulengracht stärker.[7] |
| Hartes Training | Steigt.[3] |
| Schwangerschaft | Sinkt, in einer Studie mit 103 Schwangeren in allen drei Schwangerschaftsdritteln.[8] |
| Pille | Sinkt.[3] |
| Sonnenlicht | Fällt Sonne auf die Blutprobe, ist der Messwert zu niedrig, weil UV-Licht Bilirubin rasch zerfallen lässt.[2] |
Direktes und indirektes Bilirubin: Was ist der Unterschied?
Indirektes Bilirubin hat die Leber noch nicht verarbeitet. Direktes Bilirubin hat sie bereits an Glucuronsäure gekoppelt.[2] Der größte Teil des Bilirubins im Blut ist indirekt.[9] Gemessen wird meist das Gesamt- und das direkte Bilirubin, das indirekte errechnet das Labor als Differenz.[2]
| Indirektes Bilirubin | Direktes Bilirubin | |
|---|---|---|
| Fachbegriff | unkonjugiert | konjugiert |
| Von der Leber verarbeitet | nein | ja[2] |
| Wasserlöslich | nein, im Blut an Albumin gebunden[2] | ja[3] |
| Geht in den Urin über | nein | ja, der Urin wird dunkel[10] |
| Normalwert[2] | unter 1,0 mg/dl | unter 0,3 mg/dl |
| Vor allem erhöht bei | Zerfall roter Blutkörperchen, Meulengracht, Neugeborene[2] | Hepatitis, Alkohol, Zirrhose, Gallensteine[2] |
Ein erhöhtes indirektes Bilirubin heißt: Es entsteht zu viel, oder die Leber verarbeitet es zu langsam. Ein erhöhtes direktes Bilirubin spricht meist für eine Lebererkrankung oder einen Gallenstau.[4][9]
Bilirubin erhöht: die Ursachen
Ein erhöhtes Bilirubin hat drei mögliche Ursprünge: Es entsteht zu viel, die Leber verarbeitet es zu langsam, oder die Galle fließt nicht richtig ab.[4] Die häufigste Ursache für ein allein erhöhtes Bilirubin ist der harmlose Morbus Meulengracht.[4]
| Wo | Beispiele | Erhöht ist vor allem |
|---|---|---|
| Vor der LeberMehr rote Blutkörperchen zerfallen. | Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen, etwa bei G6PD-Mangel, Thalassämie oder Sphärozytose.[1] Neugeborenengelbsucht.[2] | indirektes |
| In der Leber, angeborenDie Leber koppelt langsamer. | Morbus Meulengracht, sehr selten das Crigler-Najjar-Syndrom.[2] | indirektes |
| In der Leber, AufnahmeDie Leber nimmt weniger auf. | Herzschwäche, seltener Medikamente oder Fasten.[10] | indirektes |
| In der Leber, erworbenLeberzellen sind geschädigt. | Virushepatitis, Autoimmunhepatitis, Alkoholhepatitis, Leberschaden durch Medikamente oder Gifte, Zirrhose, Leberkrebs.[2] Auch bei Fettleber kann das Bilirubin erhöht sein.[1] | vor allem direktes |
| Nach der LeberDie Galle fließt nicht ab. | Gallensteine im Gallengang, ein Tumor am Kopf der Bauchspeicheldrüse, die Gallenwegserkrankung PSC.[2] Mehr zum Gallenstau. | direktes |
| In der Schwangerschaftselten, aber ernst | Sehr starkes Schwangerschaftserbrechen, HELLP-Syndrom.[2] | direktes |
Was dahintersteckt, zeigen die übrigen Leberwerte. Steigen AP und Gamma-GT mit, spricht das für einen Gallenstau.[4] Mehr dazu in den Ratgebern zur alkalischen Phosphatase und zur Gamma-GT, typische Muster zeigt die Tabelle im Ratgeber Leberwerte.
Ab welchem Bilirubinwert wird man gelb?
Sichtbar gelb wird man meist ab einem Bilirubin von etwa 2 bis 3 mg/dl, das sind 34 bis 51 µmol/l.[10] Zuerst färbt sich das Augenweiß, am besten erkennbar bei Tageslicht. Dort fällt eine leichte Gelbsucht oft schon bei 2 bis 2,5 mg/dl auf.[10] Steigt das Bilirubin stärker, wird auch die Haut gelb.[1]
| Gesamtbilirubin | Was man sieht |
|---|---|
| bis 1,1 mg/dlbis 19 µmol/l | Normalbereich, keine Gelbfärbung[5] |
| 1,2 bis 2 mg/dl21 bis 34 µmol/l | leicht erhöht, meist noch nicht sichtbar[10] |
| 2 bis 3 mg/dl34 bis 51 µmol/l | Gelbsucht wird sichtbar, zuerst am Augenweiß[10] |
| deutlich höher | auch die Haut färbt sich gelb[1] |
Weitere Anzeichen einer kranken Leber stehen im Ratgeber Warnsignale der Leber.
Ist ein leicht erhöhtes Bilirubin gefährlich?
Meist nicht. Ist das Bilirubin als einziger Wert leicht erhöht und gibt es sonst keine Zeichen einer Lebererkrankung, steckt oft eine häufige und harmlose Stoffwechselvariante dahinter: der Morbus Meulengracht, international Gilbert-Syndrom genannt.[1]
Betroffen sind laut britischer Leitlinie 5 bis 8 % der Bevölkerung. Ist vor allem das indirekte Bilirubin erhöht und zerfallen nicht vermehrt rote Blutkörperchen, ist die Ursache fast immer Meulengracht. Er geht weder mit einer Lebererkrankung noch mit anderen Gesundheitsproblemen einher.[4]
Zur Bestätigung rät die Leitlinie zu einer zweiten Blutabnahme nüchtern mit Blutbild: Das Bilirubin sollte dann noch etwas höher sein, eine Blutarmut sollte fehlen. Liegt das indirekte Bilirubin über 40 µmol/l (2,3 mg/dl), werden seltenere angeborene Ursachen geprüft.[4]
Anders ist es, wenn das direkte Bilirubin erhöht ist oder weitere Leberwerte auffällig sind. Dann steckt meist eine Erkrankung von Leber oder Gallenwegen dahinter, die abgeklärt werden muss.[9] Bei einer bekannten Leberzirrhose ist ein steigendes Bilirubin ein Warnzeichen.[1] Alles zu Symptomen und Alltag mit Meulengracht steht im Ratgeber Morbus Meulengracht.
Bilirubin im Urin: Was bedeutet das?
Normalerweise ist im Urin kein Bilirubin nachweisbar, der Teststreifen zeigt „negativ“.[6] Ein positiver Befund bedeutet, dass das direkte Bilirubin im Blut erhöht ist.[10]
Der Grund: Nur das direkte, von der Leber gekoppelte Bilirubin ist wasserlöslich und kann über die Nieren in den Urin gelangen. Das indirekte Bilirubin kann das nicht.[10] Bei Morbus Meulengracht findet sich deshalb kein Bilirubin im Urin.[11]
Typische Ursachen sind eine Leberentzündung oder ein Gallenstau.[10] Der Urin wird dann dunkel, oft schon bevor die Augen gelb werden.[10] Lassen Sie einen positiven Befund immer ärztlich abklären.
Kann man Bilirubin senken?
Ja, indem die Ursache behandelt wird. Wie, hängt vom Auslöser ab: Verstopfte Gallengänge werden zum Beispiel endoskopisch oder mit einer Operation wieder geöffnet.[12]
Bei Morbus Meulengracht ist keine Behandlung nötig.[11] Wer Schübe mit gelben Augen vermeiden möchte, sollte nicht lange fasten. Laut einer Übersicht von 19 Studien kann es solchen Schüben vorbeugen, Kalorien nicht zu stark einzuschränken und genug Fett sowie Gemüse und Obst zu essen, etwa Kohl, Karotten oder Zitrusfrüchte.[13]
Für Leberkuren, Mariendistel oder Entgiftungstees ist nicht belegt, dass sie das Bilirubin senken. Für die Leber insgesamt zählen weniger Alkohol und bei Übergewicht das Abnehmen, mehr im Ratgeber Leberwerte senken.
Wann sollte ich zum Arzt?
Lassen Sie ein erhöhtes Bilirubin beim Hausarzt einordnen, vor allem wenn das direkte Bilirubin oder weitere Leberwerte erhöht sind.[9] Zeitnah in die Praxis sollten Sie bei diesen Zeichen eines Gallenstaus:[12]
- gelbe Augen oder gelbe Haut, die Sie zum ersten Mal bemerken
- dunkler Urin zusammen mit hellem Stuhl
- Juckreiz am ganzen Körper
Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei diesen Warnzeichen:
- Gelbsucht mit Fieber und starken, anhaltenden Schmerzen im rechten Oberbauch, das kann eine Entzündung der Gallenwege sein[10]
- gelbe Augen zusammen mit Benommenheit oder Verwirrtheit[1]
- Erbrechen von Blut oder ein Bauch, der durch Wasser immer dicker wird[1]
Häufige Fragen zum Bilirubin
Welcher Bilirubinwert ist normal?
Bei Erwachsenen gilt laut Deutscher Leberstiftung ein Gesamtbilirubin bis 1,1 mg/dl als normal, das sind 19 µmol/l. Labor Berlin nennt bis 1,2 mg/dl, für das direkte Bilirubin unter 0,3 mg/dl und für das indirekte unter 1,0 mg/dl. Es gilt aber immer der Referenzbereich auf Ihrem Befund.
Ist ein Bilirubin von 1,5 mg/dl gefährlich?
Meist nicht. Ist nur das Bilirubin leicht erhöht und sind die übrigen Leberwerte normal, steckt oft der harmlose Morbus Meulengracht dahinter. Zur Bestätigung werden direktes und indirektes Bilirubin sowie ein Blutbild bestimmt.
Was bedeutet ein erhöhtes Bilirubin bei normalen Leberwerten?
Ist vor allem das indirekte Bilirubin erhöht und zeigt das Blutbild keinen vermehrten Zerfall roter Blutkörperchen, ist laut britischer Leitlinie fast immer ein Morbus Meulengracht die Ursache. Er betrifft 5 bis 8 % der Bevölkerung und ist harmlos.
Kann Fasten das Bilirubin erhöhen?
Ja. Fasten und harte körperliche Belastung lassen das Bilirubin steigen. In einer Studie stieg es nach 24 Stunden mit nur 400 kcal auch bei Gesunden, bei Menschen mit der Genvariante für Morbus Meulengracht aber stärker.
Was bedeutet „Bilirubin im Urin positiv“?
Dann ist das direkte Bilirubin im Blut erhöht, denn nur diese Form geht in den Urin über. Häufige Ursachen sind eine Leberentzündung oder ein Gallenstau. Ein positiver Befund sollte ärztlich abgeklärt werden.
Wie rechne ich Bilirubin von µmol/l in mg/dl um?
Nehmen Sie den Wert in µmol/l mal 0,0585. Umgekehrt gilt: mg/dl mal 17,1 ergibt µmol/l. 1,1 mg/dl entsprechen also rund 19 µmol/l.
Quellen
- Deutsche Leberhilfe e. V.: Leberwerte und ihre Bedeutung (Broschüre, fachliche Beratung Dr. med. Christoph Niederau), Abschnitte Bilirubin und Notfälle. Stand Dezember 2022. Quelle öffnen
- Labor Berlin (Charité und Vivantes): Leistungsverzeichnis, Bilirubin (gesamt, direkt, indirekt), mit Referenzbereichen für Neugeborene und Erwachsene. Quelle öffnen
- Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie: Leistungsverzeichnis Bilirubin total (Revision 001, Juni 2020). Quelle öffnen
- Newsome PN et al. Guidelines on the management of abnormal liver blood tests (British Society of Gastroenterology). Gut. 2018;67(1):6-19. Quelle öffnen
- Deutsche Leberstiftung: Leber und Leberwerte. Informationen für Betroffene und Angehörige (Broschüre, Tabelle der wichtigsten Leberwerte). Stand Mai 2025. Quelle öffnen
- Medizinische Hochschule Hannover, Zentrallabor: Leistungsverzeichnis Referenzbereiche, Version 7.0 (2025), Bilirubin und Urinstatus. Quelle öffnen
- Ishihara T et al. Role of UGT1A1 mutation in fasting hyperbilirubinemia. J Gastroenterol Hepatol. 2001;16(6):678-682. Quelle öffnen
- Bacq Y et al. Liver function tests in normal pregnancy: a prospective study of 103 pregnant women and 103 matched controls. Hepatology. 1996;23(5):1030-1034. Quelle öffnen
- Kwo PY, Cohen SM, Lim JK. ACG Clinical Guideline: Evaluation of Abnormal Liver Chemistries. Am J Gastroenterol. 2017;112(1):18-35. Quelle öffnen
- MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise: Gelbsucht. Vollständige Überprüfung August 2025. Quelle öffnen
- MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise: Angeborene Stoffwechselstörungen, die Hyperbilirubinämie verursachen (Gilbert-Syndrom). Vollständige Überprüfung August 2025. Quelle öffnen
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Cholestase. Vollständige Überprüfung August 2025. Quelle öffnen
- Goluch Z, Wierzbicka-Rucińska A, Książek E. Nutrition in Gilbert’s Syndrome: A Systematic Review of Clinical Trials According to the PRISMA Statement. Nutrients. 2024;16(14):2247. Quelle öffnen
Stand: 20. Oktober 2026. Wir prüfen die Angaben vierteljährlich.