Wirkstoffe
Kurkuma und Leber: Hilft es oder kann es schaden?
Kurz gesagt
Kurkuma-Präparate senken bei Fettleber die Leberwerte leicht, ALT im Mittel um gut 5 U/l.[1] Hochdosierte Kapseln, vor allem mit Piperin, können aber selten eine Leberentzündung auslösen: In Italien gab es 2019 in einem halben Jahr 28 Verdachtsfälle.[2] Als Gewürz im Essen ist Kurkuma unbedenklich, bei üblichen Mengen sind keine Leberschäden bekannt.[3]
Ist Kurkuma gut für die Leber?
Als Kapsel senkt Kurkuma bei Fettleber die Leberwerte etwas, für das Gewürz ist eine Wirkung auf die Leber nicht untersucht. Eine gesunde Leber entgiftet sich selbst.[4]
Kurkuma ist der Wurzelstock der Gelbwurz (Curcuma longa). Die EMA erkennt ihn als traditionelles Mittel bei Völlegefühl, träger Verdauung und Blähungen an, nicht für die Leber.[5] Der wichtigste Inhaltsstoff ist das gelbe Curcumin, die getrocknete Wurzel enthält 3 bis 5 % davon.[6] Kurkumapulver aus dem Handel kam in einer Messung im Mittel auf 3,14 %.[7]
Gemessen ist ein Effekt auf die Galle: Bei 12 Gesunden zog sich die Gallenblase 2 Stunden nach 40 mg Curcumin um 51 % zusammen, nach 80 mg um 72 %.[8] Ist der Ausgang der Gallenblase durch einen Stein blockiert, löst genau das eine Kolik aus.[9] Deshalb rät die EMA bei Gallensteinen von Kurkuma ab.[5] Mehr dazu unter Gallenfluss anregen.
Hilft Kurkuma bei der Leberentgiftung?
Nein, die Leber entgiftet sich selbst.[4] Was sie wirklich entlastet, steht unter Leber entgiften.
Was sagen die Studien zu Kurkuma bei Fettleber?
Auswertungen randomisierter Studien finden leicht niedrigere Leberwerte: ALT 4 bis 6 U/l und AST 3 bis 4 U/l weniger als ohne Curcumin. Die Studien dauerten meist 8 bis 12 Wochen und stammen fast alle aus dem Iran.[1][10]
| Auswertung | Umfang | Dosis und Dauer | Ergebnis | PMID |
|---|---|---|---|---|
| Molani-Gol 2024[11] | 11 Auswertungen mit 99 Studien, 5.546 Teilnehmer | verschieden | AST, ALT, Insulinresistenz und Bauchumfang sanken, Gamma-GT und Gewicht nicht. | 37918958 |
| Lukkunaprasit 2023[1] | 16 Studien aus Iran und Thailand | 80 bis 3.000 mg Curcumin am Tag, 8 bis 24 Wochen | ALT 5,6 U/l und AST 3,9 U/l niedriger. Die Verfettung besserte sich öfter. | 37037891 |
| Vajdi 2025[10] | 15 Studien, 905 Teilnehmer | verschieden | ALT 4,1 U/l und AST 3,3 U/l niedriger, mit Piperin kein sicherer Effekt. | 38213188 |
Was heißt das für Sie?
Der Effekt ist klein, und bei drei von vier Studien sahen die Autoren einer Auswertung ein erhöhtes Risiko für Verzerrungen.[1] Die europäische Leitlinie empfiehlt bei Fettleber keine Nahrungsergänzungsmittel.[12] Andere Hausmittel im Vergleich stehen unter Hausmittel gegen Fettleber.
Kann Kurkuma der Leber schaden?
Ja, selten. Hochdosierte Präparate, vor allem mit Piperin oder anders verbesserter Aufnahme, wurden mit akuten Leberentzündungen in Verbindung gebracht.[3] Für Mengen wie in der EU-Monographie sind keine Leberschäden bekannt.
| Fallserie | Fälle | Was auffiel |
|---|---|---|
| Italien, 1. Halbjahr 2019[2] | 28 | Akute Hepatitis, meist mit Gallenstau, vor allem bei Frauen. Beginn nach 8 Tagen bis 8 Monaten, 40 bis 1.425 mg Curcumin am Tag, meist über dem ADI.[13] |
| Toskana 2019[14] | 7 | Alle mit hochdosierten, besser aufnehmbaren Präparaten. Nach dem Absetzen meist Besserung. |
| USA, Register DILIN, 2004 bis 2022[15] | 10 | Alle seit 2011, 5 im Krankenhaus, 1 Todesfall. Beginn meist nach 1 bis 4 Monaten, 3 von 7 Produkten mit Piperin. |
Auffällig: 7 der 10 Betroffenen aus den USA trugen die Genvariante HLA-B*35:01, etwa siebenmal so häufig wie in der Bevölkerung.[15] Fachleute vermuten deshalb eine Überempfindlichkeit einzelner Menschen.[13]
Sicher bewiesen ist die Ursache nicht, denn fast alle Betroffenen nahmen weitere Mittel.[3] Die EMA hält hochverfügbare und hochdosierte Präparate trotzdem für ein Risiko. Für die Mengen der EU-Monographie wurde bisher kein Leberschaden gemeldet.[3]
Wie viel Kurkuma ist sicher?
Für Curcumin gilt eine akzeptable Tagesdosis (ADI) von 3 mg pro kg Körpergewicht, und zwar aus allen Quellen zusammen. Das sind 180 mg bei 60 kg und 240 mg bei 80 kg.[13]
| Quelle | Curcumin pro Tag | Einordnung |
|---|---|---|
| 1 g Kurkumapulver als Gewürz | etwa 31 mg | bei 3,14 % Curcumin im Pulver[7] |
| Kurkuma laut EU-Monographie, höchstens 4 g | bis 209 mgCurcuminoide | bisher kein Leberschaden gemeldet[3] |
| ADI bei 60 kg Körpergewicht | 180 mg | 3 mg pro kg[13] |
| ADI bei 80 kg Körpergewicht | 240 mg | 3 mg pro kg[13] |
| Zwei vom BfR geprüfte Kapsel-Produkte | 428 bis 583 mgplus 9,6 bis 10,3 mg Piperin | deutlich über dem ADI[13]6,1 bis 8,3 mg pro kg bei 70 kg |
Als Gewürz kommen Sie kaum in die Nähe des ADI, bei Kapseln lohnt ein Blick auf die Packung. Für isoliertes Piperin empfiehlt das BfR höchstens 2 mg am Tag, die geprüften Kapseln enthielten rund das Fünffache.[13]
Gewürz oder Kapsel: Was ist der Unterschied?
In Menge und Aufnahme. Curcumin gelangt schlecht ins Blut, Kapseln enthalten oft ein Vielfaches und dazu Stoffe, die die Aufnahme steigern.[13]
Nach 2 g reinem Curcumin war es bei Gesunden im Blut kaum nachweisbar, mit 20 mg Piperin aus schwarzem Pfeffer stieg die aufgenommene Menge um das Zwanzigfache.[16] Auch Phytosome oder Nanopartikel sollen die Aufnahme erhöhen.[1]
Für die Leber heißt mehr Aufnahme aber nicht mehr Nutzen: Mit Piperin sanken die Leberwerte in Studien nicht sicher.[10] Das Risiko kann dagegen steigen: Laut BfR muss man bei solchen Präparaten grundsätzlich mit einer höheren Giftigkeit rechnen.[13]
Wer sollte keine Kurkuma-Kapseln nehmen?
Menschen mit Gallensteinen, Gallenwegs- oder Lebererkrankungen, Schwangere, Stillende und alle unter 18 Jahren. Wer Medikamente nimmt, sollte vorher in der Apotheke fragen.[5]
| Situation | Was gilt |
|---|---|
| Gallensteine, verschlossene oder entzündete Gallenwege | Nicht empfohlen, weil Kurkuma die Galle anregt.[5] |
| Lebererkrankung | Nicht empfohlen.[5] |
| Schwangerschaft und Stillzeit | Nicht empfohlen, im Tierversuch ging Curcumin in die Muttermilch über.[6] |
| Unter 18 Jahren | Nicht empfohlen, zu wenig Daten.[5] |
| Blutverdünner und andere Dauermedikamente | Wechselwirkungen sind beschrieben, mit Blutverdünnern vor allem aus Laborversuchen.[6] Bei hohen Mengen auch mit Mitteln wie Tamoxifen.[3] Vorher ansprechen. |
| Früherer Leberschaden durch Kurkuma | Nicht erneut einnehmen, in einem Fall verschlechterte sich die Leber dann wieder.[13] |
Als Nebenwirkungen nennt die EMA Mundtrockenheit, Blähungen und Magenreizung.[5] Akut giftig ist Curcumin kaum: In einer Studie vertrugen 25 Menschen bis zu 8 g am Tag über 3 Monate.[6]
Woran erkennt man einen Leberschaden durch Nahrungsergänzungsmittel?
Am Anfang an Müdigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Juckreiz und Appetitlosigkeit, später an gelber Haut oder gelben Augen und Schmerzen im rechten Oberbauch.[17] Bei den Kurkuma-Fällen kam oft dunkler Urin dazu.[13] Leichte Schäden zeigt manchmal nur der Bluttest.[17] Wenn Sie so etwas bemerken:
- Schritt 1
Präparat absetzen. Meist bessert sich die Leber danach, manchmal dauert es Monate.[17]
- Schritt 2
Leberwerte bestimmen lassen und die Packung mitnehmen. Die Praxis fragt nach allen Mitteln und prüft die Werte im Blut, später noch einmal.[17] Mehr unter Leberwerte.
- Sofort
Notfall erkennen. Gelbe Haut mit Verwirrtheit oder neuer Neigung zu Blutungen spricht für einen schweren Schaden.[17] Dann sofort ärztliche Hilfe holen.
Welche Nahrungsergänzungen sonst der Leber schaden können, steht unter Was schadet der Leber?, mehr zu Nebenwirkungen unter Leberkur Nebenwirkungen.
Was hilft der Leber besser?
Weniger Alkohol und, bei Übergewicht, abnehmen. Laut Leitlinie senken 5 % weniger Körpergewicht das Leberfett, 7 bis 10 % die Entzündung.[12] Kein Gewürz ersetzt das. Mehr unter Leberwerte senken und Alkohol und Leber.
Die Naturhof Leberkur enthält kein Kurkuma und kein Piperin. Pro Tagesdosis liefert sie 191,25 mg Mariendistel-Extrakt mit 153 mg Silymarin, 200 mg Artischockenextrakt, 82,5 mg Cholin sowie Löwenzahn und Schwarzen Rettich, mehr unter Mariendistel. Cholin trägt zur Erhaltung einer normalen Leberfunktion bei.[18] Die Kur passt als fester Rahmen für 90 Tage, in denen Sie weniger Alkohol trinken und leichter essen.
Häufige Fragen zu Kurkuma und Leber
Kann Kurkuma die Leber schädigen?
Als Gewürz im Essen ist das nicht zu befürchten. Kurkuma-Kapseln können aber selten einen Leberschaden auslösen: Ein US-Register zählte 10 solcher Fälle, meist 1 bis 4 Monate nach Beginn der Einnahme. Betroffen waren vor allem hochdosierte Präparate, oft mit Piperin.
Wie viel Kurkuma am Tag ist unbedenklich?
Für Curcumin gilt eine akzeptable Tagesdosis von 3 mg pro kg Körpergewicht aus allen Quellen, also 180 mg bei 60 kg und 240 mg bei 80 kg. Ein Gramm Kurkumapulver enthält im Mittel nur etwa 31 mg Curcumin.
Ist Kurkuma mit schwarzem Pfeffer schlecht für die Leber?
Piperin aus schwarzem Pfeffer erhöht die Aufnahme von Curcumin stark, in einer Studie um das Zwanzigfache. Viele gemeldete Leberschäden traten nach solchen Präparaten auf, bessere Leberwerte brachte die Kombination nicht.
Hilft Kurkuma bei Fettleber?
In Studien sanken die Leberwerte mit Curcumin leicht, ALT um 4 bis 6 U/l. Die europäische Leitlinie empfiehlt trotzdem keine Nahrungsergänzungsmittel gegen Fettleber, der größte Hebel ist das Abnehmen.
Was passiert bei einer Kurkuma-Überdosierung?
Eine akute Vergiftung ist nicht bekannt. Möglich sind Magenreizung, Mundtrockenheit und Blähungen. Wer lange mehr als die akzeptable Tagesdosis nimmt, riskiert laut BfR unerwünschte Wirkungen.
Wann sollte ich nach Kurkuma-Kapseln zum Arzt?
Sofort, wenn Haut oder Augen gelb werden, der Urin dunkel wird oder der rechte Oberbauch anhaltend schmerzt. Auch bei Müdigkeit, Übelkeit und Juckreiz ohne andere Erklärung setzen Sie die Kapseln ab und lassen die Leberwerte bestimmen.
Quellen
- Lukkunaprasit T et al. An updated meta-analysis of effects of curcumin on metabolic dysfunction-associated fatty liver disease based on available evidence from Iran and Thailand. Sci Rep. 2023;13(1):5824. Quelle öffnen
- Menniti-Ippolito F et al. Turmeric (Curcuma longa L.) food supplements and hepatotoxicity: an integrated evaluation approach. Ann Ist Super Sanita. 2020;56(4):462-469. Quelle öffnen
- EMA/HMPC: Addendum to Assessment report on Curcuma longa L., rhizoma, EMA/HMPC/81467/2025, 19.11.2025 (Leberschäden und Wechselwirkungen). Quelle öffnen
- Deutsche Leberstiftung: Die Leber, Kraftwerk des Körpers (Pressemappe). Quelle öffnen
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC): EU-Monographie Kurkumawurzelstock (Curcuma longa L., rhizoma), EMA/HMPC/329755/2017, 2018. Quelle öffnen
- EMA/HMPC: Assessment report on Curcuma longa L., rhizoma, EMA/HMPC/749518/2016, 2018 (Inhaltsstoffe, Aufnahme, Wechselwirkungen, Sicherheit). Quelle öffnen
- Tayyem RF, Heath DD, Al-Delaimy WK, Rock CL. Curcumin content of turmeric and curry powders. Nutr Cancer. 2006;55(2):126-131. Quelle öffnen
- Rasyid A, Rahman AR, Jaalam K, Lelo A. Effect of different curcumin dosages on human gall bladder. Asia Pac J Clin Nutr. 2002;11(4):314-318. Quelle öffnen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Gallensteine. Stand 04.04.2025. Quelle öffnen
- Vajdi M et al. Curcumin supplementation effect on liver enzymes in patients with nonalcoholic fatty liver disease: a GRADE-assessed systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials. Nutr Rev. 2025;83(1):1-12. Quelle öffnen
- Molani-Gol R et al. Effects of curcumin/turmeric supplementation on the liver enzymes, lipid profiles, glycemic index, and anthropometric indices in non-alcoholic fatty liver patients: An umbrella meta-analysis. Phytother Res. 2024;38(2):539-555. Quelle öffnen
- EASL, EASD, EASO. Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). J Hepatol. 2024;81(3):492-542. Quelle öffnen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln: Gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge kann überschritten werden. Stellungnahme Nr. 040/2021 vom 14.12.2021. Quelle öffnen
- Lombardi N et al. Acute liver injury following turmeric use in Tuscany: An analysis of the Italian Phytovigilance database and systematic review of case reports. Br J Clin Pharmacol. 2021;87(3):741-753. Quelle öffnen
- Halegoua-DeMarzio D et al. Liver Injury Associated with Turmeric: A Growing Problem. Ten Cases from the Drug-Induced Liver Injury Network (DILIN). Am J Med. 2023;136(2):200-206. Quelle öffnen
- Shoba G et al. Influence of piperine on the pharmacokinetics of curcumin in animals and human volunteers. Planta Med. 1998;64(4):353-356. Quelle öffnen
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Von Arzneimitteln verursachte Leberschädigung (überprüft November 2024, aktualisiert März 2026). Quelle öffnen
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel (Cholin, Vitamin B6, B12, Folat). Quelle öffnen
Stand: 20. Oktober 2026. Wir prüfen die Angaben vierteljährlich.